Akademie für Körper- und Umweltbewusstsein
Ingwerherz
Ingwer – nicht übel, die Wurzel

Der Ingwer ist ein tolles Gewürz und ein hervorragendes Mittel bei Magen, Darm und Atemwegbeschwerden. Er fördert die Verdauung, mildert die Übelkeit und erleichtert das Atmen.

Wegen diesen Eigenschaften wird er seit tausenden Jahren in der Küche und Heilkunde verwendet.

Der Ingwer schmeckt aromatisch-scharf und bitter. Er harmoniert hervorragend mit seinen Geschwistern aus der Familie der Ingwergewächse, wie dem Kardamom, dem Galgant und der Kurkuma. Doch man kann ihn praktisch mit allen Grundgeschmäckern und Aromen mischen. Ingwer -Zitrone, Ingwer -Kakao, Ingwer- Minze. Alles passt gut zu einander.

Ingwerpresse_k1Frischer Ingwer enthält wesentlich mehr Wirk- und Geschmackstoffe als das getrocknete Gewürz. Das liegt zum einen daran, dass durch den Verarbeitungsprozess viele flüchtige Substanzen verloren gehen. Und zum anderen, weil die restlichen Substanzen eine gewisse Umwandlung durch die Lagerung erfahren.

Frischgepresster Ingwersaft ist eindeutig die intensivste Form der Ingwererfahrung. Bereits wenige Tropfen reichen aus, um Speisen, Smoothes und Säften ein scharfes Ingweraroma zu verleihen. Ich habe mich durch einige, im Supermarkt erhältlichen Ingwersäfte durchprobiert, doch keiner von denen war annähernd so gut, wie ein frisch gepresster Saft. Gekaufte Säfte müssen haltbar gemacht werden. Sie  werden erhitzt und verändern dadurch den Geschmack.

Ein getrockneter und gemahlener Ingwer schmeckt wesentlich bitterer. Seine Schärfe ist stumpfer und bissiger. Er eignet sich hervorragend zu allen warmen Zubereitungen, wie Tees oder Suppen. Für die Zubereitung von nicht erhitzten Speisen ist er nicht besonders geeignet, da er meistens eine gewisse Muffigkeit behält.

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Therapeutischer Nutzen

Eine der prägendsten Eigenschaften des Ingwers ist die Linderung von Brechreiz und Übelkeit. Ob Reise-, Schwangerschafts-, oder Chemotherapie-induzierte Übelkeit. Für fast jede dieser Beschwerden findet man in medizinischen Datenbanken reichlich Studienmaterial, die seine antiemetischen Effekte belegen.

Der Grund für diese wohltuende Wirkung des Ingwers liegt in seiner Fähigkeit bestimmte Serotoninrezeptoren zu beeinflussen. Zu viel Serotonin im Darm ist maßgeblich für das Übelkeitsempfinden verantwortlich. Ingwer wirkt dem „zu viel“ entgegen, indem er die diese Rezeptoren ausschaltet.

Frische Ingwerwurzel enthält einen hohen Anteil an ätherischen Ölen. In einer stark aromatischen Wurzel kann ihr Anteil bis zu 4% betragen. Das macht sie zum guten Mittel bei allerlei  Atemwegbeschwerden. Ätherische Öle besitzen allgemein ein breites antibiotisches Wirkungsspektrum, doch sind sie sehr flüchtig, mögen es nicht erhitzt zu werden und vertragen keine längeren Lagerzeiten. Daher sind bei der Behandlung von Atemwegbeschwerden nicht erhitze Zubereitungen aus frischem Ingwer wirkungsvoller als Tees aus der gepulverten Droge.

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Weitere Eigenschaften

Es ließe sich noch viel mehr über andere, gesundheitsfördernde Eigenschaften des Ingwers berichten. Zum Beispiel über seine entzündungshemmende, schmerzstillende und seine anti-Krebs Effekte. Die Datenlage zu diesen Themen ist mittlerweile immens. Das Problem dabei ist, dass im Labor oft mit Wirkstoffkonzentrationen gearbeitet wird, die durch die Ernährung nicht erreicht werden können. Daher sind solche Schlagzeilen, wie „Der Ingwer tötet Krebszellen“  oder „Der Ingwer heilt Rheuma“ immer mit gewisser Vorsicht zu genießen. Für die Betroffenen haben solche Ergebnisse meistens keine praktische Relevanz, da sie nicht in den Alltag übertragbar sind.

Was ich aber aus wissenschaftlichen Belegen und persönlicher Erfahrung sicher schlussfolgern kann ist, dass der Ingwer eine starken Bezug zum Magen-Darm-Trakt und seinen Beschwerden besitzt.

Der Darm spielt eine zentrale Rolle in der Gesundheitserhaltung des Organismus und der Ingwer kann dazu beitragen, das Gleichgewicht im Darm wieder herzustellen.

Zum Beispiel im Bezug auf das Immunsystem ist der größte Teil der Immunzellen sind im Darm stationiert. Der Ingwer besitzt Fähigkeiten diese Zellen auf verschiedenen Wegen zu beruhigen. Damit beruhigt er gleichzeitig  den größten Teil des Immunsystems. Als Folge darauf werden im But weniger Entzündungsbotenstoffe enthalten sein und das Nervensystem wird dadurch weniger gestresst.

Allein schon wegen solchen Wirkungen sind für fast alle Erkrankungen und Beschwerden positive Wirkungen des Ingwers zu erwarten.

IngwerpulverDer Ingwer enthält Wirkstoffe aus der Gruppe der Bioenhancer. Das sind Substanzen, welche die Aufnahme von anderen Wirkstoffen erleichtern und deren Metabolisierung beeinflussen.  Damit kann der Ingwer die Wirkung von pharmazeutischen Medikamenten verstärken. Das ist besonders wichtig für Menschen, die regelmäßig Pharmazeutika einnehmen. Sie sollten den Ingwer nicht gleichzeitig mit ihren Arzneimitteln einnehmen.

Dosierung

In den meisten medizinischen Studien an Menschen wurde eine Dosierung von 2-4 Gramm gepulverter Droge oder 20-30 Gramm frischen Ingwers verwendet.

Für eine schnelle gegen-Übelkeit-Mischung, 20- 30g frischer Ingwerwurzel in 150ml Wasser pürieren.

Für Kinder sind in dem Buch “Heilpflanzenpraxis heute” von Siegfried Bäumler folgende Dosierungsvorschläge zu finden:

1-4 Jahre: 0,5-1g

4-10 Jahre: 1-2g

10-16 Jahre: 2-3g

Diese Angaben beziehen sich auf die getrocknete Droge. Für die Verwendung von frischem Ingwer können Sie diese Mengenangaben mit 10 multiplizieren.

 

Text & Fotos: Darius Pawlikowski

Lektorat & Design: Monika Porst

 

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